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Jagd

In den Mokassins eines OL-Läufers

OL-Läufer und Jäger sind sich in der Schweiz oft nicht grün. Dass es auch anders sein kann, erlebten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ANJF im Wald Hohrain bei Niederhelfenschwil.

 

Im Bewilligungsverfahren für Orientierungslauf-Veranstaltungen wird auch das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) zur Stellungnahme eingeladen. Auch nachdem die Bewilligung erteilt worden ist, sind der Rat und die fachliche Unterstützung durch die Wildhüter gefragt. Vor dem Anlass diskutieren Bahnleger und Wildhüter vor Ort die optimalen Laufstrecken und finden eine einvernehmliche Lösung. So sieht der Idealfall aus.

 

Hin und wieder läuft in der Praxis jedoch nicht alles rund. Veranstalter stören sich an Auflagen, die mit der Bewilligung verbunden sind oder die Bewilligungsinstanz versteht die besonderen Anliegen der OL-Organisatoren nicht. Nach dem Anlass herrscht allseitige Konsternation und es heisst: „So nie wieder!“

 

Ganz nach dem Motto: „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist“, liessen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Jagd über die spezifischen Ansprüche eines OL-Laufes orientieren. Ihr Lehrmeister war niemand Geringeres als Kilian Imhof, einer der Architekten der Schweizer Erfolge im Orientierungslauf. Heute gibt der Schulleiter von Mosnang mit derselben Hingabe sein profundes Wissen als Bahnleger weiter und steckt bei Gelegenheit auch selber eine Bahn aus.

 

Die gleiche Sprache sprechen

An diesem Mittwochnachmittag schickte er seine „grünen Lehrlinge“ durch den Wald Hohrain. Vor dem Start erklärte er ihnen die speziellen Kennzeichen einer OL-Karte. Eine solche Karte spreche eine besondere Sprache, die auf der ganzen Welt verstanden werde, sagte Imhof. Das Schweizer OL-Team habe sich damit sogar an der WM in Japan problemlos zurechtgefunden. Mit Hilfe der Karte fanden denn auch die „Neo-OL-Läufer“ aus dem ANJF alle Posten und zum Schluss ins Ziel bei der SRF-Winkelhütte. „Beim OL geht es darum, Posten in möglichst kurzer Zeit anzulaufen und nicht darum, sie zu suchen“, räumte der Trainer ein Missverständnis aus. Auch laufe kein Läufer, keine Läuferin, absichtlich durch ein Dickicht. „Der direkte Weg von A nach B ist nicht immer der schnellste und sinnvollste“.

 

Einander verstehen

Für Wildtiere seien ungestörte Gebiete nötig, in die sie sich bei der Unruhe, die eine Veranstaltung mit sich bringe, zurückziehen könnten, sagte ein Wildhüter. Das könne auch ein Dickicht sein, das mitten im Parcours liege. Bei Mineralwasser und Nussgipfel entspann sich ein eine rege Diskussion über die unterschiedlichen Ansprüche von Wildtieren, OL-Sportlern und Jagd an die Natur und die Lebensräume. Mit einer geschickten Streckenführung können die Ansprüche von Naturschutz, Wildtieren und Sportlern berücksichtigt werden, waren sich Teilnehmer und Lehrmeister am Ende des Nachmittages einig. Die für diesen Nachmittag eingerichtete Bahn im Hohrain war ein Musterbeispiel dafür, wie ein idealer OL gelegt werden kann. Wichtig sei der Dialog und regelmässige Austausch, um das gegenseitige Verständnis zu fördern.


Bewilligungspflichtige Veranstaltungen (Art. 21 Vo EG WaG):

 

Die Melde- und Bewilligungspflicht von Veranstaltungen im Wald sowie in weiteren Lebensräumen von Pflanzen und wildlebenden Tieren dient der Lebensraumberuhigung. Durch gezielte Lenkung werden grosse Veranstaltungen mit erheblichem Störungspotenzial von natur- und wildsensiblen Gebieten ferngehalten oder deren Auswirkungen mittels Auflagen auf ein tragbares Mass beschränkt. Die Meldung erfolgt an die Politische Gemeinde. Bewilligungsbehörde ist das Kantonsforstamt.

Link zu Informationen für Veranstalter und Formularen www.wald.sg.ch


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