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Ringelnatter

Schlange als Botschafterin der Feuchtgebiete

Das Tier des Jahres 2015 lebt bevorzugt in der Nähe von Gewässern und stellt dort ihrer Leibspeise, Fröschen und Kröten, nach. Bild: Markus Blome / Pro Natura

Das Tier des Jahres 2015 lebt bevorzugt in der Nähe von Gewässern und stellt dort ihrer Leibspeise, Fröschen und Kröten, nach. Bild: Markus Blome / Pro Natura

Die Ringelnatter (Natrix natrix) ist das Tier des Jahres 2015. Die ungiftige Wasserschlange lebt an Tümpeln, Teichen und Weihern, wo sie am liebsten Fröschen oder Kröten auflauert. Mit ihrer Leibspeise teilt sie ein gemeinsames Schicksal: Ihre Lebensräume werden immer weniger.

 

Gemäss der Roten Liste der bedrohten Arten gilt die Ringelnatter in der Schweiz als «verletzlich». Ihre Bestände haben in den vergangenen Jahrzehnten starke Einbussen erlitten. Ein Grund dafür ist der dramatische Rückgang der amphibienreichen Gewässer, an denen die Ringelnatter ihre Nahrung findet. Mit der Wahl der Ringelnatter zum Tier des Jahres 2015 ruft Pro Natura dazu auf, die verbleibenden feuchten Lebensräume wie Weiher, Tümpel und Teiche zu erhalten, sie zu vernetzen und neue zu schaffen.

Schlangen im Kanton St.Gallen

Bei Ringelnattern unterscheidet man 2 Formen. Neue Untersuchungen deuten darauf hin, dass es sich um verschiedene Arten handelt. Die sogenannte Barrenringelnatter ist die verbreitetste Form in der Schweiz. Die andere Form, die Nördliche Ringelnatter kommt nur am Nordrand der Schweiz zwischen Schaffhausen und St.Gallen vor. Im Kanton St.Gallen finden wir die Nördliche Ringelnatter im Thurtal sowie am Bodensee. Im nördlichen Rheintal scheint eine Zone zu existieren, in der beide Formen sich überlappen. Die Situation wird dadurch erschwert, dass Schlangen gelegentlich illegal umgesiedelt werden.

Neben der Ringelnatter kommen in der Region noch vier Schlangenarten vor. Zwei Arten – die Würfelnatter und die Äskulapnatter – wurden bei Rapperswil und am Walensee künstlich angesiedelt und breiten sich aus. Daneben lebt in tieferen Lagen einzig die ebenfalls harmlose Schlingnatter. In den Alpen kommt an wenigen Stellen die Kreuzotter, unsere einzige Giftschlange, vor. Wie alle Schlangen ist sie sehr scheu und flüchtet bei kleinsten Erschütterungen.

Schwimmende Schlange

Die Ringelnatter ist sehr gut an das Leben am und im Wasser angepasst. Das scheue Reptil ist nicht nur eine exzellente Schwimmerin, sondern auch eine ausdauernde Taucherin: Bis zu 30 Minuten kann sie sich unter Wasser aufhalten. Ringelnattern kann man aber auch weit abseits von Feuchtgebieten begegnen. Denn die Schlangen machen gelegentlich kilometerweite Ausflüge.

 

Ihr auffälligstes Merkmal sind die hellen, halbmondförmigen Flecken im Nacken, die gelegentlich aber nur schwach ausgebildet sind oder ganz fehlen können. Von Oktober bis März verkriechen sich die Ringelnattern in frostfreie Schlupfwinkel und halten Winterruhe. Meist Ende März oder im April macht sich das Tier des Jahres 2015 an die Paarung. Die Weibchen legen danach 10 bis 40 Eier in verrottende Laubhaufen, Baumstümpfe, Kompost- oder Misthaufen, in denen ein warmes, feuchtes Mikroklima herrscht. Gerne werden auch Haufen mit Schnitzelholz oder Schilf genutzt.

 

Nach knapp zwei Monaten schlüpfen die bleistiftgrossen Babyschlangen. Ringelnattern wachsen ihr Leben lang und können bis zu 140 cm lang werden. Da ihre Haut nicht mitwächst, müssen sich die Tiere mehrmals im Jahr häuten.

Wer einer Ringelnatter begegnet, braucht sich nicht zu fürchten. Ringelnattern sind ungiftig und für uns Menschen völlig harmlos. In Acht nehmen müssen sich Frösche, Kröten, Fische und Mäuse. Denn diese verschlingt die Ringelnatter lebendigen Leibes.