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Neophyten bekämpfen

Invasive Neophyten bekämpfen

Im Kanton St.Gallen obliegt die Bekämpfung von Neophyten den Gemeinden. Jährlich werden kantonsweit über 20‘000 Stunden in die Erfassung und Bekämpfung von invasiven Problempflanzen investiert. Dass diese Einsätze greifen, zeigen lokal reduzierte Neophytenbestände oder auch zeitliche und finanzielle Reduktionsmöglichkeiten im kommunalen Bekämpfungsaufwand.

 

Bei invasiven Neophyten handelt es sich um Pflanzen, die aus anderen Kontinenten bei uns eingewandert sind oder eingeschleppt wurden, und welche sich wegen fehlender Konkurrenz oder natürlicher Feinde sehr effizient und auf Kosten der angestammten Vegetation ausbreiten können. Gewisse Arten stellen ein gesundheitliches Risiko für Menschen dar, andere bedrohen die Vielfalt der einheimischen Flora, wieder andere verursachen Probleme wegen ihrer destabilisierenden Wirkungen von Gewässer-, Bahn- und Strassenböschungen.

Standorterfassungen

Als Stützpfeiler eines erfolgreichen Neophytenmanagements gelten die Erarbeitung von Grundlagen, die Prävention und die Bekämpfung. Eine Übersicht über die Neophytenstandorte im Kanton St.Gallen bietet das Neophytenportal (neophyten.geoportal.ch). Dieses Instrument ermöglicht einerseits die Erfassung von Neophytenart, Standort, Bestandesgrösse und Bekämpfungsart und bietet andererseits die Möglichkeit von Abfragen nach Art oder Standort. Die Einsatzplanung zur Neophytenbekämpfung kann damit auf effiziente Art und Weise unterstützt werden.

Bekämpfung

Je länger mit der Bekämpfung zugewartet wird, desto aufwändiger und teurer wird die Eindämmung. Eine Zusammenstellung der gängigsten Bekämpfungsempfehlungen sowie der wichtigsten begleitenden Massnahmen bietet die ‚Praxishilfe invasive Neophyten‘. Da Samen lange im Boden überdauern können, ist eine regelmässige Überwachung auch von bereits bekämpften Standorten Pflicht. Entlang von Bächen und Flussläufen soll die Ausmerzung der Pflanzen konsequent von "oben nach unten" erfolgen. Über 20 St.Galler Gemeinden sind in bisher fünf gemeindeübergreifenden Projekten die Neophytenproblematik koordiniert angegangen. Gestützt auf die Neobiotastrategie des Bundes und im Rahmen der Schwerpunktplanung 2013- 2017 der St.Galler Regierung wird demnächst eine praxisnahe Neophytenstrategie für den Kanton St.Gallen erarbeitet.

Entsorgung

Das geschnittene oder ausgegrabene Pflanzengut muss fachgerecht entsorgt werden. Die meisten Pflanzenarten müssen der Kehrichtverbrennung oder mindestens der Vergärung in einer Kompostierungsanlage zugeführt werden. Pflanzenrückstände dürfen keinesfalls liegengelassen werden, da je nach Art Samen oder gar Wurzelteile sofort wieder neue Pflanzen generieren. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass von Privatpersonen kein Grünmüll in oder entlang von Wäldern gelagert wird, da damit die Verbreitung von Fremdpflanzen stark gefördert wird. Für die illegale Entsorgung von Grünmüll können die Gemeinden Bussen aussprechen. 

Bekämpfungsequipen

In den meisten St.Galler Gemeinden wird die Neophytenbekämpfung unter Beizug von spezialisierten Firmen ausgeführt. Bekämpfungsequipen erhalten oft Unterstützung durch Arbeitslose in Form von Beschäftigungsprogrammen, Asylbewerber oder Zivildienstleistende. Der Kanton beteiligt sich finanziell an den entstehenden Personalkosten für Erfassung und Bekämpfung der invasiven Problempflanzen. In einzelnen Gemeinden haben sich auch Bekämpfungsaktionen mit Schulklassen, dem Naturschutzverein oder mit Einladung der gesamten interessierten Bevölkerung etabliert. Bei Neophytenvorkommen an National- oder Kantonsstrassenböschungen werden die entsprechenden Unterhaltsdienste aktiv.

Gesetzliche Grundlagen

Die eidgenössische Freisetzungsverordnung regelt den Umgang mit gebietsfremden Pflanzen und Tieren. Unter anderem nennt sie Pflanzen, mit denen der Umgang verboten ist. Das heisst, sie dürfen weder eingeführt, verschenkt, verkauft, transportiert, vermehrt, angepflanzt noch gepflegt werden. Massnahmen zur Bekämpfung hingegen sind zulässig. Die Bekämpfung von invasiven Neophyten mit Pflanzenschutzmitteln und Herbiziden wird via die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung geregelt.

Ausblick

Die Neophytenproblematik stellt uns vor eine grosse Herausforderung. Zum Erhalt unserer heimischen Pflanzen- und Tierarten, naturnahen Lebensräume und dem vertrauten Landschaftsbild sowie zur Verhinderung von Ertragsausfällen in Land- und Forstwirtschaft, dem Schutz von Infrastrukturen und unserer Gesundheit, sind unbedingt Massnahmen gegen die Verbreitung der invasiven Organismen zu ergreifen. Das ANJF investiert jährlich eine halbe Million Schweizerfranken in das Neophytenmanagement. Das Engagement der politischen Gemeinden und das Fachwissen der Bekämpfungsequipen stimmen jedoch zuversichtlich, dass mit konstantem Einsatz und gemeinsamem Effort die Auswirkungen von invasiven Neophyten auf Mensch und Umwelt auf ein tragbares Mass begrenzt werden können.

 

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